Nähdrache Fridolin
Vorwort
Im Gegensatz zu meinen bisherigen Projekten möchte ich bei meinem "Meisterstück" mit einer Warnung beginnen: Ein Drachen zu nähen ist ein Haufen Arbeit, und da ich mittlerweile etwas geschickter mit Nadel und Faden geworden bin, werde ich mit ca. 14 Abenden à 4 Stunden den ein oder anderen abschrecken. Entsprechend kann man sich auch vorstellen, in welcher Preisklasse sich dieses handgemachte Kuscheltier bewegen würde - ich schätze mal nur an Arbeitszeit ca. 500€ zuzüglich 15€ Materialkosten. Aber davon abgesehen steht Fridolin eh nicht zum Verkauf, und da er auch nie als Geschenk geplant war, bleibt er auf jeden Fall bei mir.
Abschließend möchte ich noch ein paar Worte zur Entstehungsgeschichte des Drachen loswerden. Wiedermal hatte ich keine Ahnung, was mich erwartet. Ich hatte lediglich den Plan einen Drachen zu nähen und eine ungefähre Vorstellung, was dabei rauskommen soll. Daher hab ich erstmal eine Skizze "hingerotzt", wie ich mir das Ergebnis in etwa vorschwebt. An dieser Zeichnung hab ich mich dann quasi orientiert.

Eigentlich war zu erwarten, dass erhebliche Unterschiede zwischen der Zeichnung und dem fertigen Drachen entstehen würden, aber ich war selbst beeindruckt, wie gut der Drache am Ende meiner Vorstellung entsprach, insbesondere, weil eigentlich jeder Plan zur Umsetzung einzelner Körperteile (insbesondere die Füße) als Schnittmuster direkt im ersten Versuch glückte. Interessanterweise bin ich bei meinem Drachen auf ein ganz neues Probleme gestoßen - wie macht man eigentlich die Schuppen am Rücken? Ich habe mich dann doch recht schnell für "Abnähen" entschieden. Dabei stelle sich aber schnell das kleine Problem heraus, wie ich denn nun die Schuppen füllen sollte, da normale Füllwatte zu leicht fusselt bzw. nicht da bleibt, wo man sie haben will. Naja, ungewöhnliche Probleme erfordern ungewöhnliche Maßnahmen. Die perfekte Lösung hierfür sind Abschmink-Pads, denn die kann man schön zurecht schneiden und mit Sticknadeln in den Schuppen fixiern, bevor man diese abnäht. Um Missverständnisse zu vermeiden, möchte ich in diesem Zusammenhang mit Nachdruck darauf hinweisen, dass diese Abschmink-Pads nicht von mir waren...
Und das ist Fridolin:
Materialien und Hilfsmittel
Garn
Als Näh-Faden empfiehlt sich ein "Knopfloch-Garn" in grün und ein wenig rot für die Zunge.
Zusätzlich wird ein dünner Heft-Faden benötigt, um die Teile vorm eigentlichen Nähen aneinander zu heften. Dieser Faden wird im Allgemeinen wieder entfernt. Allerdings können Reste zurückbleiben, und somit sollte auch dieser Faden in der Farbe des Stoffs gewählt werden.
Für einen Drachen in mittlerer Größe (Körperänge vom Schwanz bis zum Hals ca. 50 cm) reichen 2x30m.
Nadeln
Entsprechend zur Stärke des Garns benötigt man eine Nadel mit recht großem Öhr.
Eine zweite gebogene Nadel kann ggf. beim Annähen von Beinen, Armen, Ohren und des Kopfes nützlich sein.
Schnittmuster
Das unten abgebildete Schnittmuster muss in DIN A4 ausgedruckt und ausgeschnitten werden.
Das Schnittmuster vom Bauch sowie das Seitenteil hat nicht auf DIN A4 gepaßt und muss erst aus den Einzelteilen zusammengeklebt werden.
Eine Abweichung von dieser Größe ist nicht zu empfehlen, da man beim Verkleinern Probleme mit den Schuppen bekommt.
Stoff
Den Stoff gibt es meist in Spezialgeschäften und in Kaufhäusern.
Die Menge richtet sich nach der Größe des Draches. Der Stoff ist für gewöhnlich in 140 cm Bahnen erhältlich, so dass man davor mittels der Schnittmuster schon die benötigte Stoffmenge ermitteln kann.
Füllung
Füllung gibt es im Bastelgeschäft - allerdings eignet sich auch Filterwatte für Aquarien aus dem Zoogeschäft. Die Menge sollte man nicht unterschätzen. Bei mir ist mehr als eine Packung draufgegangen.
Für die Schuppen empfehle ich Abschmink-Pads.
Augen
Für meinen Drachen habe ich Teddybär-Augen aus einem Bastelgeschäft verwendet. Ich habe mich für braune Augen entschieden, aber das ist natürlich jedem selbst überlassen.
Das Schnittmuster
Die benötigten Einzelteile des Schnittmusters sind:
Seite - 2x (gegengleich) - grün
Bauch - 1x - gelb
Bein hinten Seite - 4x (gegengleich) - grün
Bein hinten Sohle - 2x - gelb
Bein hinten oben - 2x - grün
Bein vorne Seite - 4x (gegengleich) - grün
Bein vorne Sohle - 2x - gelb
Bein vorne oben - 2x - grün
Schwanzspitze - 2x - grün
Flügel - 4x (gegengleich) - grün
Hals - 1x - grün
Schnauze - 1x - grün
Rachen - 1x - rot
Zunge - 2x - rot
Die einzelnen Schnittmuster werden auf den Stoff gelegt (möglichst wenig Abfall) und an den Kanten eingezeichnet. Dabei ist auf Nahtzugabe von etwa 3mm zu achten.
Nähen und Zusammenbauen
Zum Nähen werden entsprechende Einzelteile auf der Stoffseite aufeinander gelegt und mit einer Heftnaht zusammengeheftet (vorheriges Stecken mit Stecknadeln ist eigentlich unnötig). Die eigentliche Naht erfolgt mit dem Steppstich. Das Schließen der letzen Öffnungen nach dem Stopfen, sowie das Zusammennähen der einzelnen fertigen Teile erfolgt mit dem Matratzenstich.
Für die einzelnen Teile empfiehlt sich folgendes Vorgehen:
Körper
Abnäher an den Seitenteilen schließen.
Beide Seitenteile außen entlang der Schuppen von der Schwanzspitze bis zur Nasenspitze zusammennähen.
Bauch einnähen. Dabei eine Stopf- und Wendeöffnung von ca. 7cm freilassen. Leider ist diese Naht später durch den Matrazenstich am Übergang von gelb und grün zu erkennen, aber es gibt wohl keine brauchbare rein grüne Stoßstelle.
Danach Hals, Rachen und Schnauze in Verlängerung zum Bauch annähen und somit den Kopf schließen.
Zunge zusammennähen (keine Füllung) und von innen hinten in den Rachen einnähen.
Schwanzspitze teilweise zusammennähen. Dabei neben der Stopföffnung auch die Öffnung für den Körper freilassen. Körper auf rechts und Schwanzspitze auf links wenden und mit der runden Nadel zusammennähen. Schanz kann jetzt schon gestopft und die Stopfnaht mit dem Matrazenstich geschlossen werden.
Schuppen mit Abschmink-Pads füllen. Diese mit Stecknadeln fixiern und die Schuppen abnähen.
Probefüllen und die Augen markieren. Füllmaterial entfernen und Augen einnähen.
Jetzt kann der Körper gestopft und die Stopfnaht mit dem Matrazenstich geschlossen werden.
Beine
Beinseitenteile von der Ferse etwa dreiviertel zusammennähen.
Sohle einnähen.
Zum Einnähen des Fussrückens sollten die Zehen mit Stecknadeln aufeinander geheftet werden. Jetzt kann der Fussrücken etwas leichter eingenäht werden.
Ab der Stoßstelle zwischen Fussrücken und beiden Fussseitenteilen den Fuss bis auf die Stopföffnung schließen. Fuss stopfen und die Stopföffnung mit dem Matrazenstich schließen
Flügel
Flügel bis auf die Stopföffnung zusammennähen.
Verlauf der Federstruktur mit Stecknadeln andeuten und abnähen.
Flügel stopfen und Stopfnaht schließen.
Zusammenbauen
Füße und Flügel müssen nun an den Körper angenäht werden. Dazu zunächst für jeden Körperteil die "Nähkontur" als Ellipse doppelt aus Papier ausschneiden. Um Fehler zu vermeiden empfiehlt es sich diese "Nähkonturen" mit vier Hauptmarkierungen (z.B.: N-S-W-O oder 1-2-3-4) zu versehen und diese je nach erforderlicher Stichweite (ca. 7mm) weiter zu unterteilen. Dabei ist zu beachten, dass sich der Drehsinn auf Extremitäten und Körper gegenläufig ist.
"Nähkonturen" mit Stecknadeln auf die Füße bzw. Flügel heften.
Füße bzw. Flügel an den Körper legen und kurzzeitig mit Stecknadeln die vier Hauptmarkierungen mit Stecknadeln übertragen.
Jetzt ebenfalls eine "Nähkontur" auf dem Körper auf die eben gesetzen Stecknadeln ausrichten und fixieren.
Mit sehr viel Fadenüberschuss beides an den Markierungen mit dem Matrazenstich zusammennähen, allerdings ohne den Faden festzuziehen. Der erste und letzte Einstich sollte dabei leicht versetzt innerhalb der markierten Fläche liegen, damit der Knoten später unter der Naht verschwindet.
Papier und Stecknadeln entfernen.
Faden fest zusammenziehen bis Füße bzw. Flügel fest am Körper anliegen und Faden verknoten.